Mittwoch, 30. März 2016

die draisinenfalle



der fall zum alkoholisierten radfahrer:

stephane arbeitet als nachtwächter im örtlichen freiherr von drais museum und ist vom nächtlichen rundgang mit stangenwaffe, horn und laterne angeödet.

noch schlimmer ist, daß an diesem abend bei seinem freund, dem benachbarten turmwächter, eine party mit livemusik der turmbläserband << power of tower >> stattfindet, zu der er eigentlich auch eingeladen ist. er beschließt deswegen, die abwesenheit der anderen musealen kollegen zu nutzen, sich für einige stunden zu verdünnisieren und sich zu seinen freunden der nacht zu begeben.

da er weiß, daß dort viel getrunken wird und er zurück im museum sein muß, bevor die siebte stunde ausgerufen wird, benötigt er einen fahrbaren untersatz.

wegen der alkoholkontrollen will er aber kein auto nehmen, auch ist er sich nicht sicher, ob er denn alkoholisch beeinflußt fahrradfahren darf ...

er ist deswegen schlau und beschließt, eines der im museum ausgestellten drais´chen fahrzeuge ohne motor auszuleihen, wobei die draisine als schienenfahrzeug ( mangels gleisen zum haus des turmwächters ) ausscheidet.

aber gott sei dank hat ja der karl - draist wie er war - schon vor nahezu 200 jahren die mannheimer bevölkerung mit der laufmaschine draisine überrascht. mit dieser - die eigenschaft als fahrrad entschieden verneinend - kommt stephane im wahrsten sinne des wortes fußläufig schnell zur party. draisinenüberzeugt gedenkt sich stephane selbige auszuborgen und am frühen morgen wieder in der großraumglasdraisinenvitrine abzustellen.

er besteigt die draisine und fährt - nahezu laufend - mit seinem laufrad zur türmlichen party.

als die glocke zur sechsten stunde erklingt, schwingt er sich auf seine draisine und radelt ge-f-üßlich ins museum zurück, wo er allerdings von der polizei kontrolliert wird, weil die draisine mit keinem scheinwerfer ausgestattet ist. dabei stolpert stephane über seinen eignen fuß und fällt von der draisine. die wachtmeister messen beim nachtwächter eine promillezahl derer von 2,2.

der staatsanwalt meint ...

ich gebe mich mit fahrradfahrendem fußvolk nicht ab und lasse das ganze meinen referendar marc alfons bearbeiten. dieser fährt zwar sportlich interessiert klapprad, aber zwei räder sind zwei räder ...

dieser wiederum sagt glasklarer fall, diebstahl der draisine ok, aber abzustrafender alkohol auf dem fahrrad wäre verrat an der sportlichen zweiradzunft.

und daß die draisine keinen scheinwerfer hat, ist nicht einmal eine ordnungswidrigkeit, denn vor 200 jahren brauchte man noch keinen scheinwerfer an der draisine.

kling sagt ...

so einfach ist das nicht !

stephane hätte gück im unglück, wenn unser klappradfahrender referndar den fall an dem staatsanwalt vorbeischmuggeln würde, denn der ist nicht gerade auf dem laufenden.

natürlich darf man zunächst mal betrunken nicht fahrradfahren. zwar gibt es keinen gesetzlich festgelegten promillewert, ab dem ein radfahrer fahruntüchtig wäre - und es ernst wird -, aber der grenzwert zum ernst des lebens liegt in der regel bei 1,6 promille ( zur info - beim autofahrer bei 1,1 promille !!! ).

mit seiner blutalkoholkonzentration würde stephane also eine straftat begehen und ein radfahrender nachtwächter könnte seinen führerschein verlieren ...

aber stephane nutzt doch eine laufmaschinen draisine - ist das auch ein fahrzeug ? klar, ein fahrzeug ist jedes technische gerät, das der fortbewegung dient und - auch - mit muskelkraft betrieben wird ( mit motor wäre es ein kraftfahrzeug ).

damit fällt auch unsere laufmaschine unter die straßenverkehrszulassungverordnung und wird einem fahrrad gleichgestellt - deswegen würde die draisine im öffentlichen straßenverkehr auch einen scheinwerfer und sogar eine bremse benötigen - bremsen à la indiana jones mit dem stiefel reicht also nicht aus.

gestohlen hat stephane die draisine zwar nicht, denn er wollte sie ja nur benutzen und dann wieder zurückgeben.

aber wir strafjuristen haben tolle paragraphen in den untiefen unseres strafgesetzbuches versteckt, so auch den § 248b - den unbefugten gebrauch eines fahrzeuges. ja genau - fahrzeug ! ein solches darf man nämlich nicht ohne zustimmung des eigentümers nutzen. dieser paragraph betrifft deswegen auch ausdrücklich fahrräder und -  da man ihn auf dem falschen fuß erwischte - auch für den stephane mit seiner draisine.

also ist im extremfall unser stephane nicht nur seinen job als nachtwächter, sondern auch seinen führerschein los und wäre auch noch wegen des unbefugten gebrauchs einer draisine zu sanktionieren.

also, besser laufen ( und was dem alkoholisierten fußgänger den führerschein kostet, erfahrt ihr in einem anderen post - wir haben ja noch viele lesestunden vor uns ... )

bleibt mir gewogen,
euer kling






Sonntag, 27. März 2016

das oster special - raub im hasenstall



der falll zum räuberischen diebstahl:

stephane lebt im sächsisch-anhaltischen osterhausen, ist has IV empfänger und trotz seiner hasenscharte im ort bei der damenwelt ein beliebter rammler.

den sinn des osterfestes hat er falsch verstanden und überlegt, ob er nach karfischlichen freitag sich und seiner neusten liebschaft am ostersonntag für den gemeinsamen hasenzahn sowohl einen falschen als auch einen backofenmäßigen hasen statt dessen eier in das nest legt.

er beschließt deswegen, sich frühmorgens in den öffentlich zugänglichen örtlichen hasenverein zu begeben, der - am ortsrand, dort wo sich fuchs und hase gute nacht sagen -  in einer hasienda untergebracht ist, um sich dort das objekt seiner kulinarischen begierde zu verschaffen. dorthin kommt allenfalls erst am frühen morgen ehrenamtlichfütterungsbedingt die mittlerweile in rente befindliche ehemaligen has´-, nas´ und ohrenärztin pierrette des ortes zusammen mit deren freund harvey und ihrem haskie.

da er weiß, wie der hase läuft will stephane zur sicherheit ein has´abwehrspray mitnehmen, hat allerdings nicht vor, dieses einzusetzen, da er sich ähnlich unsichtbar wie harvey an die karnickel schleichen will.

so gerüstet begibt er sich zum hasenkontor und hastet zu den ställen des meisters lampe, welche von einer selbigen angestrahlt werden, die er als hasenfuß er aus furcht vor entdeckung zerstört. 

da die dort lebenden deutschen riesen weder in seinen beutel, geschweige denn in seinen topf gehen, packt er sich einige englische widder, die er wegen der hängeohren als besonders schmackhaft einschätzt, ein. wegen der notwendigen zähmung der widderspenstigen nimmt das allerdings alles mehr zeit in anspruch, als stephane dachte - und so kommt, was kommen muß ...

zwischenzeitlich nämlich macht sich par hasard die haswachtmeisterin, bewaffnet mit einem sack karotten zur speisung der fünftausend ( hasen ) auf. sie entdeckt zunächst den leeren hasenkorb früh am morgen, als eben die sonne aufging und gleich darauf auch den stephane, der sich erfolglos hinter der hasentränke und dem hasenmäher versteckte.

stephane schämt sich jetzt und will nicht, daß seine hastat ruchbar wird. er gibt der festnahmewilligen rentnerin eines hinter die löffel, setzt den haskie mit seinem has´ abwehrspray außer gefecht und flieht - seinen hasensack zurücklassend - in die nahegelegene kneipe << zum hasenstall >>, wo er wenig später festgenommen wird. pierrette erstattet strafanzeige wegen hausfriedensbruches und räuberischen diebstahls.

der staatsanwalt meint ...

da hat pierrette recht. klarer fall - zunächst hausfriedensbruch ( § 123 stgb ) und sogar sachbeschädigung ( § 303 stgb ) an der lampe des meisters. dann noch räuberischer diebstahl ( § 252 iVm § 249 stgb ) wegen wegnahme der englischen widder unter einsatz löffelgezielter gewalt und des wissentlich mitgeführten has´abwehrsprays, während er noch im besitz des beutebeutels ist. ha(l)sstarrig, wie sich der stephane verhalten hat, droht ihm hier mehr als die mindeststrafe von drei jahren. 

kling sagt ...

so einfach ist das nicht !

einen hausfriedensbruch könnte stephane zwar begangen haben, denn trotz allem sind die höchsthaslichen stallungen in einem gebäude untergebracht. da die hasienda aber öffentlich zugänglich und mit keinerlei bewachungsmaßnahmen gesichert ist, liegt hier grundsätzlich das generelle einverständnis des hasenvereins zum betreten vor, so daß sich stephane - auch zu ungewöhnlicher zeit - auf den hasenrasen begeben durfte. auch daß er innerlich vorhat, sich widder geltenden rechts der hasen zu bemächtigen schließt dies nicht aus. daß die generelle zutrittserlaubnis nicht für personen mit deliktischen absichten gilt ist gesetzlich nicht geregelt. damit ist stephane nicht wegen stallfriedensbruch zu bestrafen.

die sachbeschädigung hat stephane zwar an des meisters lampe begangen, allerdings kann dies nur dann verfolgt werden, wenn pierrette einen entsprechenden strafantrag nach § 303 c stgb gestellt hätte. und genau darin liegt der hase im pfeffer begraben, denn das hat sie gerade nicht gemacht, und darauf muß der strafverteidiger auch achten. daß nun der staatanwalt wegen einer glühbirne so has´erfüllt ist, daß er ein öffentliches interesse bejaht und damit trotzdem eine bestrafung herbeiführt, scheint abwegig. damit fehlt es aber auch an einer sachbeschädigung.

ein räuberischer diebstahl könnte aber schon vorliegen !

stephane hat die hasen in den beutebeutel gepackt und damit seinen besitzwillen gezeigt - das verbringen in seinen kulturbeutel stellt nämlich das brechen des gewahrsams des tatsächlichen haseninhabers dar und damit liegt eben ein diebstahl vor. überdies hat er beim entdecken seiner straftat gewalt angewandt ...

also, fange wir mal von oben an:

gewalt ?

- gegen harvey nein, denn da dieser unsichtbar ist, kann nunmehr vorhersehender weise keine straftat gegen selbigen gerichtet sein ...
- gegen den haskie ja, denn nach § 17 tierschutzgesetz hat stephane ohne vernünftigen ( das verschleiern der idendität zählt hierzu gerade nicht ) grund dem haskie körperliche unbill verliehen.
- gegen pierrette ja, denn der schlag hinter die löffel stellt eine körperverletzung dar

-> eine gewaltanwendung läge damit vor ....

diebstahl ?

- zunächst ja, denn stephane hat die hasen in seinen unmittelbaren besitz unter brechen des ursprünglichen gewahrsams gebracht
- eigentlich aber nein, denn er hat den hasenbeutel nach seiner entdeckung in die ecke geschmissen - landläufig rücktritt seiner geplanten straftat

versuchter räuberischer diebstahl ?

- nein, denn er wollte ja gerade nicht im besitz der englischen widder bleiben, sondern sich auf englische art ( tschüß ohne verabschiedung ) davon machen
- ein beutesicherungswille liegt damit nicht vor, vielmehr wollte er sich einfach einer drohenden bestrafung entziehen

und was bleibt ?

tja, ein verstoß gegen das tierschutzgesetz und eine einfache körperverletzung !

was bedeutet das nuin für stephane´s enkel ?

die moderne kinderpsychologische forschung erkennt den osterhasen als state of mind an und sagt: 

  • Heute gilt es weithin als unschädlich, kleineren Kindern zu vermitteln, der Osterhase bringe Eier und Süßigkeiten zum Osterfest. Nach Auffassung von Psychologen rege diese Illusion die Fantasie an und unterstütze die kognitive Entwicklung. Allerdings sollten kritische Fragen und Zweifel der Kinder unterstützt werden, so dass der Glaube an den Hasen auch durch Austausch mit anderen Kindern schließlich von selbst verschwindet

also, für stephane maximal eine geldstrafe aber viele diskussionen mit den enkelkindern ...

frohe ostern und bleibt mir gewogen

euer steffen






Mittwoch, 23. März 2016

die ha raki ri torte



der fall zur hasskriminalität in der strafzumessung:

stephane ist ein mulitkulti, lebt nach dem prinzip big apple und hat jede menge ausländische freunde, die ihn auch gerne zu ihren festen einladen. er spricht 12 sprachen ( darunter auch monnemerisch, pfälzisch und den besonders schwierigen dialekt der saarländer ) und findet deswegen auf jeder feier schnellen anschluß.

so ist er auch auf eine türkische hochzeit eingeladen, der er mit bedenken entgegensieht, weil dort zumindest in der regel kein alkohol ausgeschenkt wird. er beschließt deswegen, das allgemeine gedränge bei der kolonya begrüßung der gäste auszunutzen und eine flasche raki zum gefälligen verbrauch in den festlich geschmückten saal zu schmuggeln.

beschwingt von der musik der duval zuma ( ok, pauke und trompete ) tanzt er nach dem ha<raki>ri genuß einer halben flasche seiner weintrauben anissamen mischung begeistert < halay > rufend beim rundtanz mit.

mit alkoholisierten schwung in die siebenstöckige hochzeitstorte fallend, zerbricht diese in sieben teile, was bei den teilnehmern des am abend zuvor gefeierten henna abends ( das feminine gegenteil des junggesellenabschieds ) zu lautem wehklagen führt. der erboste bräutigam stellt stephane zur rede, droht ihm sowohl mit dem raus- als auch dem wurf eines tortenstücks, woraufhin stephan dem verhinderten naschkater mit der flasche des türkischen nationalgetränkes niederstreckt und anschließend sowohl raki- als auch schweißgebadet die örtlichkeit verläßt.

der staatsanwalt meint ... 

da wird stephan ganz schön eines auf den fes bekommen, denn im rahmen der strafzumessung der ( hier unzweifelhaft vorliegenden gefährlichen körperverletzung ) wird zu berücksichtigen sein, daß er als deutscher bürger einen ausländischen mitbürger unter mißachtung dessen gepflogenheiten grundlos verletzt hat und damit seine ausländerfeindliche gesinnung zur schau gestellt hat. dies ist neuerdings ( explizit ) strafschärfend zu beachten und findet sich expressis verbis in § 46 II StGB.

kling sagt ...

so einfach ist das nicht !

das gericht hat bei der strafzumessung alle für und gegen den täter sprechenden gesichtspunkte gegeneinander abzuwägen. diese sind zumindest grobflächig in dem § 46 absatz 2 stgb verklausuliert und in beiden richtungen neutral gehalten.

tatsächlich wurde im august 2015 - von der bevölkerung nahezu unbemerkt - diese wichtige vorschrift für die verteidiger unter uns geändert und dahingehend modifiziert, daß seit diesem zeitpunkt bei der strafzumessung << besonders auch rassistische, fremdenfeindliche oder sonstige menschenverachtende >> ziele und beweggründe zu berücksichtigen sind.
die straftäter unter meiner geneigten leserschaft werden schnell entdecken, daß es sich hierbei erstmals bei den strafzumessungsgründen um eine rein strafschärfende formulierung handelt, die im falle der anwendung zu harscher bestrafung führen kann.

in unserem fall allerdings sind sich stephane und unser türkischer bräutigam nicht in ihrer funktion als vertreter verschiedener kulturen ins gehege gekommen und auch ist stephane nicht der klassische um sich schlagende politisch radikale. selbst wenn nämlich der bräutigam statt bekir bey efendi nun carl herrdegen gehießen hätte, wäre der tortenfall auf einer gleichnationalgeschlechtlichen hochzeit grund für törtlichtätliche auseinandersetzung gewesen.

es fehlt deswegen der erforderliche innere zusammenhang zwischen der ( ausländerfeindlichen ) gesinnung des täters und der letzten endes ausgeführten tat. zwar gefährdet die tat des stephane den ehefrieden, aber gerade nicht den rechtsfrieden aufgrund der des selbigen bedrohenden gesinnung des täters.

der richter wird deswegen im rahmen der strafzumessung keine moralisierenden erwägungen anzustellen haben, so daß stephane << nur >> wegen der gefährlichen körperverletzung zu lasten des tortenverlustig gegangenen bräutigams zu verurteilen sein wird ( wobei auch hier eine mindestfreiheitsstrafe von 6 monaten ohne die möglichkeit einer geldstrafe im raume steht; natürlich gibt es auch hier möglichkeiten um doch zu einer geldstrafe zu kommen, aber das klären wir in einem anderen post ).

nun, bleibt mir gewogen
euer kling






Sonntag, 20. März 2016

die leiche in der wildschweinfuttertonne


der fall zur strafvereitelung:

stephane ist zusammen mit seiner neuen flamme pierrette an einem donnerstag bei seinem freund didi in dessen im wald gelegener fasanerie auf einer autorinnenlesung ( feminin, da kürzlich weltfrauentag ). da es um - chauvinistisch gesehen nachvollziehbarer weise - liebesgeschichten geht, wird ihm ganz romantisch im herz, so daß er - candles in the wind vor sich hinsummend - mit der pierrette einen waldspaziergang im dunkeln zum nahegelegenen bismarckturm macht.

dort angekommen, will er sowohl den turm als letzten endes auch pierrette besteigen. zwar gibt es keine ottomanen am vom bismarckturm, aber auf der aussichtsplattform geräumige bänke für ( in diesem falle danach ) erschöpfte lustwandler.

auf der plattform angekommen ist pierrette aber vom treppenklettern so erschöpft, daß ihr jegliche lust am weiteren besteigen ( lassen ) abhanden gekommen ist. stephane allerdings ist angesichts der vorfreude auf das erklimmen der pierrett´schen wollust schon längst über seine endorphin grenze zum testosteron überschuß gelangt und beschließt, seinen überschuß anderweitig zum abklang zu bringen. mit diesem unterfangen im einklang schubst er seinem frustrierten plan entsprechend - und damit ihre arg- und wehrlosigkeit ausnutzend - über das bismarck´sche geländer ( ihr erinnert euch ? tötungsmerkmal der  heimtücke - lies im blog << der pullundermord >> - aber darum geht es hier jetzt mal nicht ... ps: vielleicht käme man hier aber auch zu einem totschlag )

zwar liegt pierrette nun nicht unter ihm, sondern nunmehr unter dem turm, aber er kann nicht einfach türmen, sondern muß zunächst die leiche fortschaffen, die nahezu turmhoch auf dem waldweg liegt. stephane kommt deswegen auf die idee, den didi um hilfe zu bitten, rennt in die fasanerie ( die mittlerweile nach dem literarischen höhepunkt geleert ist ) und erzählt von seinem coitus interruptus an historischer stätte.

didi will natürlich nicht, daß sein weißherbstschorlevernichtender stammgast bestraft wird und erklärt sich bereit, zusammen mit stephane die pierrette auseinander zu sägen und sodann die leichenteile in die auf dem forstgelände stehende wildschweinfuttertonne zu stopfen, um diese selbigen paarhufern zur lukullischen verkostung zu reichen ( das asterix´sche singularis porcus ist nämlich ein aasfresser und deswegen  - neben didi, dem tonneninhaber - für die stephan´schen pläne geeignetes entsorgungsobjekt ).

tatsächlich hat aber wenige zeit später einer der tierischen verwerter schwer an pierrette´s abgang zu schlucken - sie liegt ihm sozusagen schwer im schweinischen magen -  und verendet mangels wiederkäuerfähigkeit ähnlich elend wie die soeben teilverspeiste.

der zum überprüfen der lebensmittelverträglichkeit der mischfuttertonnage herbeigerufene veterinär entdeckt den unappetitlichen tonneninhalt und stellt fest, daß dies zwar nicht die tonne des diogenes, diese aber gleichsam menschlichen inhaltes ist. er verständigt deswegen in einem anfall von grauen gegenüber der humanmedizin die sogleich herbeieilende polizei. noch vor ort räumt didi alles ein, stephane wird verhaftet und wegen mordes verurteilt. didi hat angst, was  aus der zwischenzeitlich geleerten tonne noch herauskommt ...

der staatsanwalt meint ...

mit dem mord hat didi nichts zu tun, so daß man ihn nicht gemeinsam mit stephane in eine tonne stecken darf. aber er wußte, was geschehen war, wollte, daß stephane nicht bestraft wird und hat ihm geholfen, die pierrette entdeckungsfeindlich zu entsorgen. er wird deswegen nach § 258 StGB, der strafvereitelung, zu bestrafen und dafür mit freiheitsstrafe bis zu fünf jahren zu ahnden sein. daran ändert auch nichts, daß stephane letzten endes doch überführt und verurteilt wurde, denn durch didi´s schweinerei wurden die ermittlungen für geraume zeit verzögert und das reicht für eine strafbarkeit wegen strafvereitelung.

kling sagt ...

so einfach ist das nicht !

zunächst ist didi ein saarländer und kann sich auf ein 1994 vom bundesgerichtshof bestätigtes und noch heute geltendes urteil eines saarländischen gerichtes berufen, das ausführt, daß der begriff << geraume zeit >> dehnbar und auslegungsbedürftig ist ( das ist nicht nur typisch saarländisch, sondern auch typisch für uns juristen ).  die wenigen tage, die zwischen pierrettes tiefen fall, dem ausfall des wildschweins und dem anfall des veterinärs lagen, werden einer für die anwendung des § 258 greifenden zeitspanne nicht gerecht. deswegen ist didi auch nicht wegen strafvereitelung zu bestrafen.

aber es verbleibt bei einer versuchten strafvereitelung, denn didi hat zumindest unmittelbar dazu angesetzt zu verhindern, daß stephane nicht vor den kadi muß und bestraft wird. daß didi später doch alles erzählt hilft ihm nicht, da die tat schon ruchbar war. da § 258 neben der freiheitsstrafe auch eine geldstrafe vorsieht, könnte didi schwein haben und mit einer solchen davonkommen.

was der staatsanwalt aber übersehen hat ( und wir werden es ihm auch nicht verraten ) ist der blick in das bestattungsgesetz. in baden württemberg zum beispiel stünde da pierrette´s entsorgung unter § 49 I nr 18 - das bestatten außerhalb eines bestattungsplatzes und nein, da gehört die tonne nicht dazu. da der § 49 I nr 18 die pierrette im wahrsten sinne des wortes nur teilweise betrifft, wäre auch die nr 15 einschlägig, da abgetrennte körperteile weder hygienisch noch dem sittlichen empfinden entsprechend - sondern eher saumäßig - beseitig wurden. dies ist allerdings lediglich bußgeldbewehrt, so daß didi´d sparschwein zur beseitigung der rechtsfolgen ausreichen dürfte.

bleibt mir gewogen ...
euer kling








Mittwoch, 16. März 2016

die frage lebenslang



der fall zur dauer von lebenslang:

stephane hat pierrette ermordet ( diese tat war ja schon ein anderer post ). er jedenfalls wird nicht von kling verteidigt und von dem für ihn zuständigen landgericht rechtskräftig ( ja, auch die rechtsmittel gehören in einen anderen post ) zu einer lebenslangen freiheitsstrafe verurteilt.

er sitzt jetzt schon sechs jahre und möchte nun mal so langsam wieder raus. da er weder mit dem graf von monte christo im chateau d´if noch mit papillon in französisch guayana einsitzt, bleibt ihm der fluchtweg über´s meer versperrt und er wird sich um eine legale entlassung bemühen müssen ...

der staatsanwalt meint ...

nix gibt´s, er - stephane - kommt nie wieder raus, lebenslang ist lebenslang !

kling sagt ...

so einfach ist das nicht ! was bekommt man denn nun für einen mord ?

beim streitgespräch am stammtisch hören wir hausmeister krause mit seinem pudel sagen, der kommt ja sowieso nach 15 jahren wieder raus, der arbeitslose dittsche im kiosk'schen morgenmantel wendet ein, der kommt nie mehr raus und ekel alfred tetzlaff redet gar von sicherungsverwahrung - alles quatsch; machen wir uns mal schlau:

im deutschen strafrecht gibt es die zeitige und die absolute strafe - ein sonderfall ist die sicherungsverwahrung ( die eigentlich gar keine haft, sondern eine freiheitsentziehende maßregel ist - ja, so wörter kennen wir im strafrecht )

1) zeitig ist jede freiheitsstrafe, die bis zu 15 jahren im urteilsspruch lautet - mehr geht nicht !

im extremfall ( das problem der gesamtfreiheitsstrafe - kommt in einem anderen post ) kann deswegen zum beispiel selbst der 100fache schwere raub nur mit 15 jahren sanktioniert werden.

oder er bringt schon 14 jahre haft mit und ihm wird eine tat nachgewiesen, die er vor der letzten abgeurteilten tat begangen hat ( ich sage doch, das problem der gesamtfreiheitsstrafe und des strafzusammenzugs kommt noch ... ). auch hier geht nicht mehr als 15 jahre ...

vorzeitige entlassungen sind ( in diesem fall der 15 jährigen - zeitigen - gesamtfreiheitsstrafe ) nach der hälfte, also 7 jahren und 6 monaten, oder 2/3, also 10 jahren, möglich.

2) absoulut ist die lebenslange freiheitsstrafe - aber wie lange ist lebenslang ?

lebenslang gibt es nur für bestimmte wenige delikte im strafgesetzbuch, wir nehmen hier mal als klassisches beispiel den mord.

grundsätzlich lautet lebenslang schon lebenslang, aber wie jeder mensch in unserem vater staat hat nach der rechtsprechung des bundesverfassungsgerichtes ( das ist übrigens nicht unser höchstes gericht, sondern ein verfassungsorgan; das höchste deutsche gericht ist der bundesgerichtshof ) auch der mörder das recht, irgendwann einmal wieder in freiheit zu kommen.

jetzt weiß man ja nicht, wann bei lebenslang zb die hälfte des ( nach der verurteilung verbleibenden ) lebensweges ist - wird er ( oder natürlich auch sie ) 60, 70 oder nur 40 ?

dies weiß letzten endes nur der liebe gott und der sitzt gerade nicht in der für stephane zuständigen strafvollstreckungskammer ( ja, die entscheidet letzten endes über die vorzeitige entlassung - kannst du auf meiner homepage lesen )

grundsätzlich besteht deswegen bei lebenslanger freiheitsstrafe nach 15 jahren die ( erste ) möglichkeit, wieder auf freien fuß zu kommen.

nach auffassung vieler für eine solche entscheidung zuständiger strafvollstreckungskammern ist das mit 15 jahren aber ( noch ) nicht getan, weshalb der durchschnitt der << normalen >> lebenslangen freiheitsstrafe zwischen 17 und 23 jahren liegt.

einem zu lebenslanger freiheitsstrafe verurteilten kann nach verbüßen von 10 jahren haft erstmals urlaub aus dem vollzug eingeräumt werden ( nein, nicht in südfrankreich, aber zB im häuslichen umfeld ).

anders als in amerika kann man in deutschland aber nicht zu << zweimal lebenslänglich >> verurteilt werden. was macht das gericht also zum beispiel bei einem doppelmord ?

hier hat das gericht die möglichkeit, die sogenannte << besondere schwere der schuld >> festzustellen. diese feststellung führt dazu, daß der täter nicht sozusagen automatisch in der prüfungsreigen der vorzeitigen entlassung nach 15 jahren kommt, sondern in diesen fällen durchschnittlich zwischen 23 und 25 jahren verbüßt.

im extremfall kann lebenslang aber auch tatsächlich bedeuten, daß der verurteilte in haft sein leben beschließt ( in einer 1998 durchgeführten statistischen auswertung wurde festgestellt, daß jeder sechste zu lebenslang verurteilte auch in haft verstirbt ).

der jugendliche mörder ( 14-18 ) übrigens kann bei verurteilung nach jugendstrafrecht maximal zu zehn jahren freiheitsstrafe verurteilt werden, hier gibt es kein lebenslang. heranwachsende ( 18-21 ) können zwischen 10 und 15 jahre erhalten, im extremfall aber auch lebenslang.

3) sicherungsverwahrung allerdings kann tatsächlich lebenslang bedeuten.

die sicherungsverwahrung wird durch das erkennende gericht angeordnet und nach verbüßung der strafe vollzogen. sie ist grundsätzlich unbegrenzt und dient dem schutz der allgemeinheit vor gefährlichen straftätern. vor antritt und dann alle zwei jahre wird überprüft, ob die fortdauer der sicherungsverwahrung angemessen ist oder nicht.

aber achtung: die sicherungsverwahrung richtet sich ausschließlich nach der gefährlichkeit des täters und nicht nach der straftat. so muß zum beispiel der mörder nicht zwingend in die sicherungsverwahrung gehen, aber möglicher weise der mehrfache räuber ...

so, jetzt könnt ihr zumindest versuchen, qualifiziert mitzureden, 

bleibt mir gewogen ...
euer kling






Sonntag, 13. März 2016

der vergewaltigte mann ...



der fall zur vergewaltigung:

stephane ist sauer ! seine freundin, ihres zeichens ausgeprägte nymphomanin hat ihn - der doch jeglicher promiskuität abhold ist - wegen der örtlichen fußballmannschaft verlassen und ihm im << schlußmachzettel >> vorgeworfen, er sei im wahrsten sinnes des wortes nicht zu unrecht der größte fan der << toten hosen >> und nicht einmal an tagen wie diesen ( oder jenen ) zu standing ovations hinsichtlich ihres karmas bezüglich des kamasutras fähig ...

dementsprechend lädiert und nicht willig, die via dolosa ewiger enthaltsamkeit zu gehen sondern in gesteigerter potenz die via gra zu beschreiten, beschließt er, sich die erstbeste weibliche bekanntschaft unter umgehung des legalgeschlechtsverkehrlichen einverständnisprinzips zum (s)einseitigen koitus zu zwingen.   

so der selbstauferlegten kohabitation entgegensehend, begibt er sich in das singlelokal << stadt wien >>, welches für seine auf den tischen stehenden kontakttelephone bekannt ist, auf die suche nach einem gerade nicht geneigten aber gleichwohl geeigneten opfer seiner geplanten zur schändung führenden tat.

die flatrate der tischbauxitkontakttelephone ausnutzend gerät er rasch an die pierrette, eine ebenso schüchterne wie vollbusige blondine. an der bar der stadt wien den << cocktail der heurigen >> einnehmend, kommt es schnell zum einverständnis hinsichtlich des heimbringens der pierrette durch den stephane und der unverfänglichen frage - noch´n bier im wohnzimmer ?

den ablauf bis zur tat im schnelldurchlauf beschreitend, fassen wir wie folgt zusammen:

1) stephane bemerkt im bad beim wasserlassen einen damenrasierer und schiebt selbigen pierrettes achselhaaren ( sieht man unterm top ) zu ...
2) an der wand hängen viele bilder von dem blonden 70er jahre star, wie hieß die nochmal ? ach ja, amanda lear ...
3) auf der stereoanlage laufen hits von der anderen sängerin mit der dunklen stimme, fällt mir nicht ein ! ach doch, romy haag ...
4) nach dem bier wird pierrette bierernst und zeigt stephane, daß hinsichtlich ihrer hingabe zur hergabe sowohl hopfen als auch malz verloren ist ...
5) stephane dringt nicht weiter auf pierrette, sondern nunmehr nicht nur ohne, sondern auch ausdrücklich gegen deren willen in selbige ein.

9 monate später sind wir ( schwangerschaftsfrei ) beim schöffengericht, die staatsanwaltschaft hat anklage wegen vergewaltigung erhoben. stephane - nunmehr geläutert - räumt die vergewaltung ein. das gericht möchte zur verifizierung seines geständnisses ( ja so einfach geht das mit dem gestehen nicht ) zumindest das pierrettsche opferlamm hören und ruft sie in den zeugenstand.

das protokoll der gerichtsverhandlung zitierend, passierte nun folgendes:

gericht: ihr name ?
pierrette: pierretterich ( männliche form von pierrette )
gericht: sie meinten pierrette ?
pierrette ( im folgenden pierretterich ): nein, pierretterich !
gericht: wie das ?
pierretterich: was das ?
stephane ( zum verteidiger ): was jetzt ? habe ich einen mann gehoppelt ?

interludum zur entlastung der ob der aussage des pierretterich total überforderten protokollantin:

es stellt sich heraus, daß pierrette in den körper eines pierretterich geboren wurde, sich aber eher pierrettemäßig fühlte. ihren arzt besuchend erfährt sie, daß man dies heilen könne. nach einnahme einer vielzahl von östrogenen war pierretterich dann mit weiblichen rundungen nebst femininer haut und dem verlust männlicher behaarung gesegnet. zur vollendung des weiblichen glücks fehlte es nur noch an einer vaginoplastik, die sie sich vom chirurg ihres vertrauens ( und später von stephane ausnutzend ) installieren ließ. dementsprechend stellte pierretterich dann einen antrag auf korrektur ihres vornames und ihres geschlechtes im geburtenregister. unmittelbar nach dem tag des stellens des antrages und noch vor bescheidung selbigens begegnete pierretterich dem stephane - im weiteren siehe oben ... 

der staatsanwalt meint ...

egal, ich beantrage mal zunächst unterbrechung der hauptverhandlung zur überprüfung des rechtlichen gesichtspunktes. der richter stimmt zu und gewährt aber zunächst dem - ebenso überraschten - verteidiger akteneinsicht. 

kling sagt ...

armer stephane, wer will schon << stephan und pierretterich >> in herzform in den baum ritzen - und wenn das erst die zellengenossen mitbekommen !

dies war ein fall, den ich als ganz ganz junger strafverteidiger im jahre 1996 vor dem amtsgericht verhandeln durfte. damals gab es tatsächlich auch noch den tatbestand der sexuellen nötigung, der auf die vergewaltigung von männern anzuwenden war ( nach den damaligen vorschriften konnte nur eine FRAU vergewaltigt werden ). die anklageschrift ging aber von vergewaltigung des noch nicht als pierrette eingetragenen weiblichen opfers aus. dies mit geschwellter brust dem vorsitzenden vortragend, gab dieser einen rechtlichen hinweis dahingehend, daß dann eben eine strafbarkeit wegen sexueller nötigung des pierretterich in betracht käme, was wegen des selben strafmaßes für stephane nicht mit vorteilen verbunden war ...

kurz nach stephanes verurteilung wurde dann aber der tatbestand der vergewaltigung geschlechtsneutral gestellt ( ich liebe solche juristischen klarstellungen ), so daß ab 1997 auch männer ( und zwar nicht nur von männern ) vergewaltigt werden können, gleiches gilt natürlich auch für den umgang von hilfsmittelnutzender frauen untereinander.

im selben jahr wurde auch die vergewaltigung in der ehe anerkannt, aber nur auf antrag ( der vergewaltigten geschlechtsneutralen person ) verfolgt. 2004 kam man dann in der rechtsprechung überein, daß ein antrag nicht mehr erforderlich ist und die tat von amts wegen verfolgt wird ...

fest steht damit, daß ein mann entweder von einem mann, aber auch von einer frau vergewaltigt werden kann und ( hilfsmittelbezogen ) selbstverständlich auch eine frau von einer frau. das strafmaß wird überall und geschlechtsneutral zu finden sein ...

und was ist nun mit pierrette, bzw pierretterich ?

dem ehemaligen pierretterich verhilft das transsexuellengesetz von 1980 zum pierrettemäßigen dasein. unter dem vorliegen bestimmter voraussetzungen kann er sowohl sein geschlecht als auch seinen vornamen im geburtenregister ändern lassen ( tatsächlich war bis dahin MARIA der einzige weiblcihe name, den ein mann tragen durfte ).

das tsg soll den pierretterichs unter uns, also menschen mit von ihrem ursprünglich festgestellten geschlecht abweichender geschlechtsidendität ( transsexualität )  die möglichkeit geben, rechtlich in der zu ihrer empfundenen geschlechtsidentität passenden geschlechtsrolle anerkannt zu werden.

ob das allerdings unseren stephane zu lustvolleren träumen verhilft, mag mal dahinstehen !

bleibt mir gewogen ...
euer kling


Donnerstag, 10. März 2016

die radarfallen app - schnell zu kling´s blog live !

 heute kling´s blog live - info beim lesen !!!

der fall:

stephane ist neugierig, denn heute abend, also an diesem donnerstag, mithin dem 10.03. um 19:00 findet im forsthaus lindemannsruhe ( bei düw / leistadt ) eine lesung des fachanwaltes für strafrecht kling aus mannheim mit seinen geschichten statt, also sozusagen kling´s blog live.

da er selbstverständlich kein eigenes auto hat, beschließt er, eines aufzubrechen, kurzzuschließen und damit zur lesung zu fahren. wegen der ( verfluchten ) neuen alarmanlagen muß er mehrere autos ausprobieren und wegen dieser verzögerung gerät er in gefahr, zu spät zu lesung zu kommen.

da seine handy prepaid karte justament heute morgen jeglichen guthabens verlustig ging, mußte er sich bei einem passanten auf dem wochenmarkt ein handy << stehlenderweise ausborgen >>. seine geschwindigkeitsüberschreitungen vorhersehend bittet er seinen beifahrer, die radarfallenwarnapp - die er freudig überrascht auf dem handy gefunden hat - einzuschalten um zu checken, daß er nicht wegen des zu schnellen fahrens des diebstahls überführt wird.

auf der lesung trifft er einen ihm bekannten staatsanwalt, der sein neues auto bewundert ( daß es nicht stephane gehört, weiß er ja nicht ) und zufällig seine warnapp auf dem handy ( das ihm ja auch nicht gehört - aber das weiß der staatsnanwalt auch nicht ) entdeckt.

der staatsanwalt meint ...

das benutzen einer radarfallenapp ist eine ordnungswidrigkeit, die nach § 23 1b StVO mit einem punkt und 75.-- geahndet wird.

kling sagt ...

so einfach ist das nicht !

§ 23 1b StVO sagt << WER ein fahrzeug führt ... >> ; wenn aber der beifahrer das gerät nutzt, ist das gerade kein fehlverhalten, denn der darf das tun. allerdings darf er - rein rechtlich gesehen - dem stephane gerade nicht sagen, daß er eine blitzwarnung registriert hat. quod erat demonstrandum ...

so und jetzt schnell ins auto und ab zur lindemannsruhe ( klicke hier ), denn dort findet ab 19:00 kling´s blog live mit skurilen geschichten aus der welt eines strafverteidigers statt ...

seid mir ebenso willkommen wie auch gewogen
euer kling ...





Dienstag, 8. März 2016

donnerstag, der 10te - verbrechen im wald ...



der fall:

unser verbrecherischer stephane ist eitel. von einem seiner wenigen freunde, die noch auf freien fuß sind ( der wurde nämlich von rechtsanwalt kling aus mannheim verteidigt ) erfährt er, daß dieser strafverteidigende rechtsanwalt die stephan´schen untaten im internet als blog kommentiert.

dergestalt neugierig geworden, verbringt stephane den montag abend damit, in einem nicht ganz so blöden elektro großmarkt in einem mannheimer vorort ein lapTop zu stehlen ( nicht ohne sich danach in einem angrenzenden elchförmigen möbelhaus noch den passenden schreibtisch << model smörrebrod >> zu besorgen ), um kling´s blog zu lesen. er entkommt unerkannt und linkt sich in das nicht paßwortgeschützte wLan des nachbarn ein ...

dort kann er diebisch grinsend lesen, daß an diesem donnerstag, mithin dem 10.03. um 19:00 im forsthaus lindemannsruhe ( bei düw / leistadt ) eine lesung des fachanwaltes für strafrecht kling aus mannheim mit seinen geschichten stattfinden wird, also sozusagen kling´s blog live. da der dortige inhaber didi lichte wälder mit unterwuchs liebt, findet das ganze auch in der zum forsthaus gehörenden fasanerie statt. er beschließt deswegen, die tage bis dorthin keine weiteren straftaten zu begehen, um nicht gefasst zu werden und sich diese lesung nicht entgehen lassen zu wollen.

der staatsanwalt meint ...

also, wenn stephane keine straftaten ( mehr ) begehen will - von dem elch und dem smörrebrod tisch weiß er ja nichts -, dann soll´s mir recht sein und ich habe damit nichts am hut. aber zu der lesung am donnerstag könnte ich ja trotzdem hin, mal sehen ...

kling sagt ...

nun, wenn sich staatsanwaltschaft und täter mal so einig sind, dann sollte man sie auch unterstützen ( straflose beihilfe zum gelingen der lesung ) und darüber nachdenken, ob man an diesem abend nicht auch zur lindemannsruhe fährt. dort gibt es ausgleichend zur kargen kost des verbrechens speis und trank, aber man müßte dann www.lindemannsruhe.de anklicken und auch spätestens um 19:00 dort sein - sonst würde man ja nie erfahren, warum unter der linde der mann ruht ...
 
also, seid mir ebenso gewogen wie auch willkommen
euer kling



Sonntag, 6. März 2016

der digitale exhibitionist ...



der fall:

stephane ist verzweifelt - kaum 24 jahre alt leidet er unter einer krankhaften zuckerbergdiabetes und muß in ein sanatorium ohne internet, um seine trafficwerte zu reduzieren. er ist immerhin mann´s genug um sich ins schweizer hochgebirge zu begeben, um dort fern von bit und byte in der providerfreien klinik des zauberbergs von face zu face so manches book zu lesen und digital enthaltsam zu leben.

zurück vorm heimischen iMac und WorldWideWiedergenesen erleidet er prompt einen rückfall und sieht voll entsetzen im zuckerberg´schen universum ein bild von seiner jeglichen süßlichen stofflichkeit beraubten zuckerschnecke, das er anläßlich der << ich geh jetzt mal in kur >> party kurz vor seinem off ins netz stellte.

da seine ihre süßlichkeit droht, sich voll des bitteren grams auf den faceberg mit natreen´schen süßstofftabletten das leben zu nehmen und er nicht will, daß bei ihr jegliche restsüße verlustig geht, entschließt er sich, den auch nicht gerade in zuckerwatte gepackten berg mit hilfe der justiz abzutragen und erstattet anzeige wegen verstoßes gegen das urhebergesetz und allem ähnlichen.

zu hilfe kommt ihm gerade jetzt, also anfang märz des jahres 2016, eine gemeinsame verlautbarung der zuckerbergdiabetiker, die er teilen soll und als grundlage seiner anzeige dient.

der staatsanwalt meint ...

ich bin weder im internet noch bei facebook und nutze noch dos ( zB verschiebt er eine datei auf seinem 84er dosRechner mit dem befehl: << copy c:/zucker/beschwerdedatei.txt c:/berg/beschwerdedatei.txt >>. überhaupt muß ich noch meine 8'' floppy disk formatieren und das ganze geht die strafjustiz nichts an ...

kling sagt ...

ich nutze drag and drop, bin cloud orientiert und deswegen ist diese zu teilende erklärung schwachsinn - wir nehmen sie mal auseinander:

also, zunächst lesen wir Artikel I. ( ... ) des strafgesetzbuches

- artikel gibt es im deutschen strafgesetzbuch nicht ( nur paragraphen ) - übrigens auch nicht in amerika ( dort chapter, sections und titles - und vor allen dingen case law )
- artikel I gibt es im grundgesetz, betrifft die menschenwürde und richtet sich keinesfalls gegen deinen zuckerkegel
-> vergiß es !

weiter geht es mit 111, 112 und 113 des strafgesetzbuches

- (§) 111 betrifft die öffentliche aufforderung zu straftaten ( wenn du da ein urheberrecht hättest, ginge das verfahren eher gegen dich als unser zuckerportal )
- (§) 112 gibt es im strafgesetzbuch nicht mehr ( im reichsstrafgesetz betraf dies straftaten gegen soldaten und marineangehörige ); die zuckerberg´sche jacht gilt hier nicht
- (§) 113 bestraft den widerstand gegen vollstreckungsbeamte ( unser mark ist aber kein vollstreckunsgbeamter, zumal fb ja kostenfrei ist )
-> vergiß es !

was sich zumindest gut und unverständlich ( deswegen halt gut ) liest, ist UCC 1-308 und UCC 1-103

- UCC ist aber kein zuckerwert, sondern die abkürzung für uniform commercial code
- dies war der versuch eines einheitlichen handelsgesetzbuches aus den 40er jahren vor allen dingen für die usa ( im wesentlichen nicht rechtsverbindlich )
- die UCC 1-103 und UCC 1-308 betreffen gegenseitige verträge, aber gerade nicht im bereich des dolce vita in der fb community
-> vergiß es !

kommt noch das statut von rom und das hat auch wenig mit dem pabst ( der zwar vom ölberg aber nicht vom zuckerberg spricht ) zu tun ...

- das statut von rom ist ein völkerrechtlicher vertrag, der die grundlage für den internationalen strafgerichtshof darstellt
- betrifft völkermord, kriegsverbrechen und verbrechen gegen die menschlichkeit
- man kann facebook viel unterstellen, das wäre aber des schlechten zuviel, also
-> vergiß es !

stephane muß verstehen - deine fb mitgliedschaft ist kein unbedenkliches zuckerschlecken:

- wenn du bei facebook mitmischst, akkzeptierst du die vertragsregeln ( terms of policies )
- wenn du die umfrage mitmachst, welches dein oechslegrad beim jahrgangswein wäre, mußt du wissen, daß das auch deine mitwinzer erfahren 
- ( geteilte und gepostete ) statusbeiträge von welcher art auch immer ändern daran nichts
- du bist selbst schuld und verantwortlich für das, was du in facebook stellst ( sage ich auch auch immer meinen töchtern )

bleibt mir gewogen ...
euer kling






Donnerstag, 3. März 2016

der pullundermord ...



der fall:

stephane, ein mittdreißiger mechatroniker lebt im krieg mit der welt, mit sich und vor allem seiner mutter, bei der er immer noch wohnt. diese begehrt sein salär als kostgeld und versteht es nach wie vor, jegliche weibliche bekanntschaft, die ihr sohn ihr vorstellt zu vergraulen, so daß sowohl sein kontostand ( sonst könnte er endlich ausziehen ) als auch seine sexuelle erfahrung ( sonst gäbe es diesen fall nicht ) gegen null tendieren.

stephane ist an einem februarabend freitags mit seinen bekannten ( wg der mutter hat er auch keine freunde ) in seiner stammkneipe << lost life >> und schaut das eishockey spiel seines lieblingsvereins << eishockeySV hinter den zäunen im nirgendwo >>. ausgerechnet an diesem abend verliert sein verein und auch der letzte cola asbach war irgendwie zuviel.

er verläßt das lokal, frustriert der blumentapete in seinem jugendzimmer entgegensehend - immerhin hatte ihm seine mutter schon den abendlichen ingwertee gerichtet,was stephane jedoch nicht aufzurichten vermochte. auf dem nachhauseweg nun trifft er im unbeleuchteten teil des wohnviertels, das er durchquert, eine reizende blondine, die - wie sich später herausstellt pierrette heißt - fallbezogen hieß ...

getrieben von seiner libido entspricht er sich, sie anzusprechen, sie schaut ihn an und fragt ihn lachend, ob er noch bei seiner mutter lebt ( was möglicher weise an dem von ihm an diesem abend getragenen - und von der erwähnten mutter selbstgestrickten - pullunder liegt ).

da nun dieser sein triebhaft bedingter puckschuß wie der seines vereins ebenso nach hinten wie auch am tor vorbeiging, sie seiner mutter vor 20 jahren sehr ähnlich sieht - fallbezogen sah - und er überhaupt wg des genossenen alkoholes einiges einsichtsfähigkeit verlustig ging, entschloß er sich kurzfristig, die inkarnation seiner mutter und seines weltlichen mißerfolges dem verdienten ende zuzuführen.

er ergreift den - übrigens auch von seiner mutter zum pullunder passend gestrickten - schal und erwürgt pierrette. dem das geschehen beobachtenden zufällig anwesend bekannten seiner mutter erklärt er, pierrette hätte den schal anprobieren wollen und er habe nur geholfen; die polizei kann ihn wegen der erstickenden aussage des nachbarn, die dieser angesichts seines gewienerten gartenzwerges tätigte ermitteln ...

der staatsanwalt meint ...

klarer fall, stephane wird wegen mordes zu verurteilen sein, immerhin hat er die pierrette mit absicht umgebracht. eine strafmilderung aufgrund des genossenen alkoholes kommt nicht in frage, denn der anerkannte psychiatrische sachverständige hat festgestellt, daß stephane nicht so betrunken war, als daß er nicht gewußt hätte, was er da eigentlich tat.

kling sagt ...

so einfach ist das nicht und so schnell wird man nicht zum mörder !

schon im zarten kindesalter ( jaja, in den 60ern ) konnte man sich - zugegebener weise damals noch in schwarzweiß - im fernsehen kriminalistisch fortbilden. du erinnerst dich: seinerzeit lief ja ab 18:00 die << drehscheibe >> und um 20:00 kamen die nachrichten - und damit für dich das zeichen in´s bett zu gehen. als jungspund war deswegen natürlich schon damals konspiratives vorgehen und verschleierndes tätigwerden in form des << hinter dem sofa versteckens >> nötig, um den film auch sehen ( und damit manchmal aus schiß vor dem mörder, der im krimi ja über´s kinderzimmer einstieg ) auch nachts nicht schlafen zu können.
 
und dann kamen sie - deine schwarzweißen lehrmeister: unabdingbare helfer damals waren serien wie << stahlnetz mit helmut lange als ermittler >>, << der kommissar keller alias erik ode mit seiner sekretärin rehbeinchen >> und natürlich << jerry cotton >>. mit untrüglichem spürsinn hat meine mama schon lange vor den kommissaren der mörder ausgemacht, denn das ist der, der jemanden mit absicht umbringt ...

aber so ist es ja gerade nicht im strafrecht -  der mörder bringt zwar auch mit absicht, aber vor allen dingen geplant sein unschuldiges opfer vor den ihm gnädigen himmlischen richter; was unserem mörder zumindest zu lebzeiten - was den vorsitzenden richter der schwurgerichtskammer betrifft - nicht vergönnt ist.

und, wie sieht so eine planung aus ?

( geplante ) motive:
  • stephane tötet aus reiner freude am töten, also aus mordlust ( tut ihm gut ... )
  • stephane tötet zur befriedigung des geschlechtstriebs ( pierrette will nicht ... )
  • stephane tötet aus habgier ( will schneller pierrette´s haus erben )
  • stephane ermöglicht mit dem mord eine andere straftat ( vor dem öffnen des tresors muß die wohnungsinhaberin pierrette sterben )
  • stephane verdeckt eine andere straftat ( er beraubt pierrette und tötet sie dann, damit sie nichts verraten kann )
  • stephane hat sonstige niedrige beweggründe ( er ist maßlos eifersüchtig oder unbändig neidig )

( geplante ) verwerfliche begehungsweisen:
  • stephane tötet heimtückisch ( pierrette sitzt fröhlich lächelnd mit stephane bei einem glas wein, der sich dann auf sie stürzt und ersticht. sie hat deswegen überhaupt nicht mit einem angriff gerechnet und kann sich deshalb nicht wehren - der jurist sagt ausnutzen der arg- und wehrlosigkeit  ... )
  • stephan tötet grausam ( und fügt pierrette als gefühlloser mensch über den eigentlich lebensraubenden tatbeitrag unnötige schmerzen zu )
  • stephan tötet mit gemeingefährlichen mitteln ( zB wirft er eine handgranate in das café, in dem pierrette sitzt oder steckt das siebenfamilienhaus an, in dem sie wohnt )  

nun, das haut ja bei unserem pullundertragenden stephane nicht hin, so daß er zumindest mal kein mörder ist. also auch keine lebenslange freiheitsstrafe  ( aber das kommt in einem anderen post ).

natürlich kommt er nicht straffrei davon, denn es gibt ja immer noch den totschlag - und der ist auch nicht gerade ohne ...

wie wir juristen immer klare worte finden ist der totschläger der, der jemanden aus der situation heraus absichtlich tötet, ohne mörder zu sein, d.h., keines der obengenannten mordmerkmale läßt sich bei stephane´s ( nun doch nicht mörderischen ) tun finden ...

und genau das ist hier bei stephane der fall - er hat pierrette zwar nicht geplant, aber mit absicht umgebracht und wird deswegen seine zukunft hinter einem maschendrahtzaun verbringen müssen ( hätte seine mutter beim stricken nicht ganz so viele maschen fallen lassen, wäre ihm möglicher weise der zaun mit dem selben namen erspart geblieben ).

wie lange es für den totschlag gibt ( die strafzumessung ist da recht engmaschig ) , das klären wir aber in einem anderen post - ich sag´s mal ( angepaßt ) mit peter lustig ( rip ): jetzt aber den computer ausschalten ...

bleibt mir gewogen ...
euer kling


Dienstag, 1. März 2016

der verliebte dieb



der fall:

stephane ist verliebt und spätabends auf dem weg zu seiner liebsten. gutgelaunt läuft er am grundstück der pierrette vorbei und entschließt sich spontan zum pflücken eines apfels in deren paradiesisch angelegten garten, den er sogleich genußvoll verspeist.

pierrette, ist begeisterte waffennärrin und gerade mit dem ölen ihrer kalashnikov beschäftigt, als sie draußen das knarren des des eines apfels beraubten zweiges hört.

todesmutig greift sie sich ihre bereits gereinigte winchester 77, rennt vor die tür und schießt dem immer noch apfelkauenden stephane hinterher, trifft ihn jedoch nicht.

der nun vom apfelgenuß mit blähungen behaftete stephane möchte nicht pubsender weise vor die nase seiner liebsten treten und kommt auf die idee, einen kleinen umweg durch den städtischen park zu machen. er möchte sich dort furzfristig der angesammelten gase entledigen und die liebste mit einer frisch gepflückten blume erfreuen.

den friedhof mit den blumen des heutigen begräbnisses meidet er, denn erstens wird der mit habichtsaugen von pfarrer brown bewacht und zweitens ruht dort seine tante und garstig, wie sie war, fürchtet er ihr in transparenter form geisterhaft zu begegnen.

im stadtpark würde er allerdings allenfalls die tulpenruhe stören, so daß ihm dies als der geeignete platz zum pflücken der liebesdreingabe zu sein scheint.

flugs zieht er sein kleines taschenmesser, das er immer bei sich führt und schneidet sich einen kleinen tulpenstrauß zurecht.

dabei wird er vom kommunalen ordnungsdienst erwischt und zur nahegelegenen dienststelle verbracht.

der staatsanwalt meint ...

ich bin auf urlaub auf dem obsthof und gebe den fall zur erstellung eines gutachtens an meinen stationsreferendar ab. dieser wiederum meint, der will mich wohl veräppeln, die verspeiste pink lady ist ein klarer fall des straflosen mundraubs und die tulpen würden noch nicht mal auf der waage eines markthändlers wesentlich ins gewicht fallen. er schlägt deswegen vor, die verfahren zur straflosen einstellung zu bringen. was die als calamity jane um sich schießende pierrette betrifft neigt er zu ebensolcher aufassung wegen vermeintlicher notwehr zu gunsten der baumfrucht ....

kling sagt ...

da möge hermes ( gewußt ? nebenbei schutzpatron der diebe und schelme - was übrigens auch die preise der gleichnamigen firma erklärt ) dem stephane gnädig sein und sich den staatsanwalt nur das ergebnis des gutachtens lesend der auffassung des referendars ( der übrigens sein examen ob des ergebnisses der strafrechtlichen klausur nicht bestand ) anschließen lassen.

in wahrheit könnten sich nämlich die blähungen des stephane als gewaltiger wirbelsturm in den organen der rechtspflege erweisen ...

den mundraub gab es tatsächlich - im reichsstrafgesetzbuch von 1851 wurde er als << entwendung von nahrungs- und genußmittel in geringen mengen oder von unbedeutendem wert zum alsbaldigen verzehr >> bezeichnet. soweit zum apfel ...

allerdings wurde der mundraub in den 70er jahren des letzten jahrhunderts abgeschafft. im strafgesetzbuch unserer republik hieß er natürlich nicht einfach mundraub ( das wäre jetzt ja mal wirklich zu verständlich ausgedrückt ), sondern strafbare verbrauchsmittelentwendung. gestrichen 1975 - trotzdem bleiben stephane´s blähungen nicht unbedingt straflos.

apfel hin oder her, das zählt jetzt als regulärer diebstahl und kann hart geahndet werden. außer stephane´s verteidiger sieht ein paar zeilen weiter unten den § 248a, der den diebstahl geringwertiger sachen ( zB ein apfel ) betrifft.

dann würden sich stephane´s strafbare blähungen tatsächlich und in wahrsten sinne des wortes in luft auflösen ...

was übrigens unsere schießwütige pierrette betrifft, wird sich diese gerade nicht auf die wilhelm tell´sche manier seines apfelschusses berufen können. noch in den 20er jahren  des vergangenen jahrhunderts hätte sie sich legal auf notwehr berufen dürfen, aber anfang des milleniums setzte der bundesgerichtshof den lara crofts unter uns ein ende und erklärte, daß in bagatellfällen das notwehrrecht eingeschränkt ist, womit hinsichtlich ihrer unschuld zwar nicht die beere, aber der apfel geschält ist.

bis jetzt steht es deswegen für stephane 1:0, was die mögliche straffreiheit betrifft.

jetzt wird es allerdings eng für unseren im städtischen tulpenbeet herumirrenden stephane.

das blattwerk im stadtpark nämlich steht in städtischen eigentum, dient der allgemeinheit und genießt deswegen öffentliches interesse.

der § 248a ( siehe beim << mundraub >> unter geringwertigkeit ) wird hier nämlich zurücktreten, wenn unser aus dem urlaub zurückgekehrter staatsanwalt öffentliches interesse bejaht und wegen diebstahls gegen unseren verliebten blumenpflücker vorgeht.

was stephane ganz vergessen hat, ist sein mitgeführtes messerchen. hier läge dann nämlich genaugenommen ein diebstahl mit waffen vor, der stephane´s blähungen in (gitter)gesiebte luft verwandeln könnte !

also, bleibt mir gewogen
euer kling ...